Aus der Reihe "Gespräche am Schleusenplatz": Brecht nicht mit Brecht - Und das Meer so Blau
Brecht nicht mit Brecht - Und das Meer so Blau
Ein musikalisch-literarischer Abend mit Liedern, Balladen, Gedichten und Texten von Bertolt Brecht.
2026 jährt sich Brechts Tod zum 70. Mal. Nicht nur ein Anlass, um zurückzublicken sondern auch zu fragen, was von Bertolt Brechts Schaffen geblieben ist.
Brechts Texte kreisen um grundlegende Fragen, die sich mit erschütternder Aktualität auch heute stellen: Wie frei ist der Mensch innerhalb der Verhältnisse, in denen er lebt? Was bedeutet Gerechtigkeit, wenn Geld, Macht und Einfluß ungleich verteilt sind? Wann ist Anpassung als unabdingbare schmerzhafte Kompromissbereitschaft vernünftig – und wann wird sie zur Preisgabe der eigenen Urteilsfähigkeit? Welche Verantwortung trägt der Einzelne für eine Ordnung, die er nicht geschaffen hat, an der er aber als kleines Glied in der Kette beteiligt ist?
Brecht interessierte sich nicht für einfache Gewissheiten. Seine Texte setzen auf Widerspruch, auf Zweifel und auf die Bereitschaft, scheinbar Selbstverständliches aus vielfacher Perspektive zu betrachten. Dabei verbinden sich politische Fragen mit sehr persönlichen: Besitz und Verlust, Liebe und Abhängigkeit, Hoffnung und Ernüchterung, Freundlichkeit und Gewalt.
Ila Raven und Frank Augustin nähern sich Brecht musikalisch und literarisch. Songs, Balladen und Gedichte stehen neben Gesprächen, Gedanken und heutigen Stimmen, die innerhalb des Live-Programms als kurze Videos von der Leinwand ausstrahlen. Brecht wird dabei weder endgültig erklärt noch als historisch abgeschlossen betrachtet. Seine Texte werden als Denkangebote verstanden.Diese in das Programm eingeflochtenen Videosequenzen sind aus Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen, Geflüchteten, Künstlern, Lehrern, Erziehern und anderen Interessierten entstanden. Sie zeigen unterschiedliche Zugänge zu Brechts Werk und schreiben seine Fragen in die Gegenwart und Zukunft fort. Zu sehen und zu hören sind unter anderem Gregor Gysi, Wolfgang Schneiderhan als ehemals ranghöchster Offizier der Bundeswehr und der Brecht-Archivar Jan Knopf.
Ein Abend über Bertolt Brecht – und zugleich über die Frage, was Denken zu leisten vermag. Auch ohne künstliche Intelligenz.
Was geschieht, wenn man Widersprüche nicht auflöst, sondern aushält? Wenn man Zweifel nicht als Schwäche begreift, sondern als Voraussetzung von Erkenntnis? Und wenn man den Menschen nicht danach beurteilt, was er behauptet, sondern danach, wie er handelt?
Brecht nicht mit Brecht. Brecht auf - ins eigene Denken.
Die Veranstaltung ist Teil der Reihe "Gespräche am Schleusenplatz" und wird gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie Westhavelland & Nauen - der Eintritt ist frei.